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contain’t steht kurz vor dem Aus

Gerade erst begonnen, da ist es auch schon wieder aus.
Das als „Alternative für die Waggons“ ins Leben gerufene Projekt „contain’t“ steht bereits wieder vor dem Aus. Dabei hat sich das ganze Areal innerhalb der letzten Wochen als neue Anlaufstelle der Kreativen und Freigeister entwickelt. Stundenlang konnte man über Gott und die Welt philosophieren und dabei unkommerziellen Gedanken lauschen. Nun scheint das Gelände der Stadt mal wieder ein Dorn im Auge zu sein. Warum auch immer. Zum Glück ist Wahlkampf. „Stuttgart – Kein Platz für bunte Vögel“

Anbei die offizielle Pressemitteilung:

contain’t steht kurz vor dem Aus

Trotz dreijähriger intensiver Zusammenarbeit mit den städtischen Ämtern droht das Zwischennutzungsprojekt contain’t bereits vor dem Start zu scheitern. Überraschende baurechtliche Auflagen verhindern die Gründung einer Ateliergemeinschaft und blockieren erneut den Start des Veranstaltungsbetriebs. Gleichzeitig soll der im November 2014 auslaufende Mietvertrag nicht wie ankündigt verlängert werden.

Bereits in der ersten Aprilwoche hatten die Macher_innen von contain’t auf Ihre prekäre Lage aufmerksam gemacht. Ohne eine sofortige Veranstaltungsgenehmigung muss das Projekt noch in diesem Monat beendet werden.

Die Reaktion der Stadt ist widersprüchlich. Einerseits wurde mit dreiwöchiger Vorlaufzeit für den 13.05. eine Unterredung im Rathaus anberaumt, der auch Bürgermeister Föll beiwohnen soll. Andererseits bleibt die Verwaltung dem Projektteam trotz mehren Aufforderungen konkrete Antworten auf die vielen akuten Fragen bisher schuldig. Ein für kommendes Wochenende angesetztes Benefiz-Festival wurde nicht genehmigt und musste abgesagt werden.

Die Dringlichkeit der Lage von der Stadt verkannt: Der Termin am 13.05. kann überhaupt nur die Wende bringen, wenn contain’t bereits im Vorfeld angemessen informiert und die Veranstaltungsgenehmigung vorgelegt wird. Nur so kann die drohende Pleite abgewendet werden.

Genehmigungen für Kunst und Kultur – ein Spießrutenlauf

contain’t ist der Versuch, experimenteller Kunst, nicht-kommerzieller Kulturarbeit und informeller Architektur einen rechtlich und strukturell verbindlichen Rahmen zu geben. Dementsprechend hat contain’t von Anfang an viel Zeit und Energie in die Kommunikation und Zusammenarbeit mit der Stadt hat investiert. Der Anfang Februar eingereichte zweite Bauantrag zur Genehmigung von Veranstaltungen und einer Ateliergemeinschaft mit 21 Parzellen auf dem Gelände in Bad Cannstatt war mit einem Architekturbüro geplant und eng mit dem Baurechtsamt abgestimmt. Tausende von Euro hat das Projekt in Genehmigungsverfahren und Lärmgutachten gesteckt, Pro-Bono Know-how verschiedener Unternehmen noch nicht mitgerechnet.

Trotzdem stellen die jetzt vom Baurechtsamt geforderten Auflagen die Ateliergemeinschaft an sich in Frage und verhindern gleichzeitig die Veranstaltungserlaubnis, obwohl hierfür alle Auflagen erfüllt sind. Nun steht das Projekt vor dem Aus. Ohne die Einnahmen aus dem öffentlichen Kulturbetrieb, ist contain’t finanziell nicht tragfähig. Damit droht nicht nur der Verlust eines weiteren kulturellen Freiraums. Leichtfertig setzt die Stadt ihre Glaubwürdigkeit und die Hoffnung der Szene auf Wertschätzung und eine Besserung der Situation für Kulturschaffende in Stuttgart aufs Spiel. Nach mehr als zweijähriger Verzögerung bleiben viele Künstler_innen auf der Strecke, interessierte Ateliermieter_innen schauen in die Röhre und Veranstalter_innen wenden sich ab. Der Frust im weit verzweigten Kreativ-Netzwerk um contain’t hat seinen Höhepunkt erreicht.

Die Entwicklungen der letzten Wochen

Am 03.04. wenden sich die Macher_innen von contain’t schriftlich an die Fraktionen des Gemeinderats. Hauptforderung des Hilferufs ist die unbürokratische Erteilung einer Veranstaltungsgenehmigung und die Verlängerung des Mietvertrags. Die kulturpolitischen Sprecher_innen der Grünen und der SPD tragen das Anliegen in die Bürgermeisterrunde. Innerhalb der Verwaltung bemüht sich das Liegenschaftsamt um die Anliegen von contain’t. Alle Akteure versichern, man arbeite mit Hochdruck an einer Lösung. Anstatt der lange in Aussicht gestellten Mietvertragsverlängerung oder einer unbürokratischen Lösung für die verfahrene Genehmigungssituation werden plötzlich neue Szenarien ins Spiel gebracht. Unter anderem heißt es, contain’t solle auf Ersatzgelände umziehen. Es befinde sich in der Nachbarschaft der geplanten Flüchtlingsunterkunft an der Benzstraße, Details werden nicht genannt.

Wertschätzung durch verlässliche Zusagen

Die Verantwortlichen von contain’t können solch wagen Aussagen kein Vertrauen mehr schenken. Zu oft schon hatten in der Vergangenheit mündliche Absprachen mit der Verwaltung und Mitgliedern des Gemeinderates letztlich keine Gültigkeit. Beispiele sind mehrere Standortswechsel in der Planungsphase des Projekts, geplatzte Zusagen zur Projektförderung, plötzliche Kurswechsel bei Genehmigungen sowie die Absage der Mietvertragsverlängerung, die im Sommer 2013 noch als reine Formalie galt. Mehrmalige Bitten um schriftlich verbindliche Auskünfte aus dem Stadtplanungsamt zum Entwicklungsfahrplan des Neckarparks fanden kein Gehör. Eine Erklärung, warum das Gelände aufgeben werden muss, steht nach wie vor aus. Dabei ist die Frage durchaus berechtigt, denn die Mietverträge der direkten Nachbarn von contain’t laufen bis Ende 2016. Eine vorzeitige Entwicklung des Areals erscheint somit fragwürdig. Alternativen wie eine bedarfsweise Verkleinerung des contain’t-Geländes wurden nie diskutiert. In Bezug auf die überlebenswichtige Veranstaltungsgenehmigung verstrichen bereits mehrere Wochen ungenutzt, während wöchentlich Veranstaltungsanfragen eingehen.

Lebensrettende Sofortmaßnahmen

Trotz des mangelhaften Informationsstands haben die Mitglieder von contain’t die Bedingungen für eine Weiterführung des Projekts ausgelotet. Den angedachten Umzug in die direkte Nachbarschaft der geplanten Flüchtlingsunterkunft im Neckarpark sehen die Mitglieder nur unter den folgenden Voraussetzungen als realisierbar an:

Verbleib bis zum letztmöglichen Zeitpunkt auf dem jetzigen Gelände

Sofortige, unbürokratische, dauerhafte und kostenlose Genehmigung für den längst überfälligen öffentlichen Kulturbetrieb am jetzigen Standort bis Mietvertragsende

Sofortige, unbürokratische und kostenlose Genehmigung für Ateliers in Eigenbau oder Bereitstellung von mindestens 10 temporären Ateliers (z.B. Containern mit Prüfbuch, fliegende Bauten, etc.)

vorübergehende Förderung einer bezahlten Stelle für Geschäftsführung und Kommunikation, bis contain’t wirtschaftlich arbeiten kann

Nahtloser Übergang der Genehmigungen beim Umzug auf ein neues Gelände

Vorhandene Erschließung am neuen Standort

Lärmschutz am potentiellen neuen Standort zur Entlastung der 240 Flüchtlinge in der benachbarten Unterkunft

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5 Comments

  1. Petra
    6. Mai 2014 at 09:25 — Antworten

    Die sollen mal nicht so rumheulen. Auch bei Containt gehts letztendlich nur um Party und Geld aus der Gastro.. Alles scheinheilig !!!

    • truller
      7. Mai 2014 at 21:20 — Antworten

      true 😉

      aber he die haben chucks mit löchern drin..die machen das echt nur für den spass!

      🙂

    • Simon
      8. Mai 2014 at 11:33 — Antworten

      Informationen brauch man ja nicht man schiebt ja einfach alles immer gleich in eine Schublade ne? Aber das sich manche Menschen einfach mal schlau machen bevor sie irgend was im Internet Posten ist heutzutage wahrscheinlich zu viel verlangt… einfach nur schade so was…..

  2. Samira
    6. Mai 2014 at 20:39 — Antworten

    @ Petra: Das ist doch Quatsch. Hier geht es um ein unkommerzielles Projekt, was die Stadt ein wenig lebenswerter Gemacht hätte. Es ist überall das gleiche: riesige Berge an ehrenamtlicher Arbeit mit dem Ziel die Stadt mit zu ernsthaft mit zu gestalten werden mit Füßen getreten. Die Leute werden nicht ernst genommen und von der Stadt verarscht. In Hamburg gab es zig Projekte, die genau so geendet sind. Die einzigen Projekte, in dieser Form, die Bestand hatten, waren Besetzungen. Mit der Stadt verhandeln ist m. E. ab einem gewissen Zeitpunkt witzlos, da muss Druck auf der Straße her.

  3. akoe
    7. Mai 2014 at 00:55 — Antworten

    das ist ne riesen-sauerei. vor allen dingen, weil die stadt gerade überall in den schönsten tönen säuselt, nach dem s21 kahlschlag könne die subkultur auf mehr unterstützung hoffen. alles lüge! ich habe da (übrigens auch illegal, am karfreitag) aufgelegt, da haben sich ne menge leute den arsch aufgerissen, sogar ein sauteures schallschutzgutachten erstellen lassen (und die auflagen erfüllt) und was ist? – die stadt läßt contain’t am ausgestreckten arm verhungern. klar, ohne veranstaltungen ist contain’t zum sterben verdammt. dabei ist das absolut im industriegebiet, da ist km weit nur urban wasteland. aber nicht mal da, versteckt zwischen industrieruinen, -brachen und abfall-betrieben können diese verbohrten scheiß amts-sesselpfurzer in stuttgart ein auge zudrücken. ich sehe schon, man wird sich einfach was nehmen müssen – ohne zu fragen, ohne zu reden, ohne zu verhandeln! weil reden tun die stadtfuzzis viel sich wechselseitig bedeutungslos machendes blablabla. praktisch werfen sie dir nur stöcke zwischen die beine. und solange nur dumm daherlabernde kommunalpolitiker (aller parteien) die wahren bremser, zerstörer & verhinderer in den verwaltungen, in den behörden nicht ausbremsen, solange bleibt das alles nur leeres alibi-palaver!!!!!!! nichts, heiße luft, nada, zero. grrrrrh! so züchtet man sich seine künftigen hausbesetzer selber!
    jetzt erst recht, geht da hin, macht euer maul auf, mait es rum, kommt zuhauf!!! https://www.facebook.com/events/297812497040061/300895063398471/?ref=notif&notif_t=like

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