Clubs

Das Waldheim und seine Geister

Derzeit flimmert immer wieder ein Artikel der Stuttgarter Zeitung über meinen Bildschirm, in dem es um illegale Rave-Veranstaltungen im Sindelfinger Waldheim geht. Wer den Artikel liest, bekommt schnell das Gefühl irgendetwas verpasst zu haben, denn scheinbar werden dort, nach Ansicht der Autorin, heftige Abriss-Parties gefeiert. So heftig, dass man sogar Besucher die anonym bleiben möchten, zu Wort kommen lässt. Ist ja auch besser so, haben wir alle doch gesehen, was mit Whistleblower passieren kann. Doch nicht nur Besucher kommen zu Wort, auch ein Förster gibt seine Bedenken kund. Es geht um die Gefahr eines Waldbrandes und den geschützen Lebensraum der Tiere – In unmittelbarer Nähe befindet sich übrigens das Autobahnkreuz 51 Stuttgart. Gleichzeitig wird von zahlreichen „Wochenenden“ gesprochen, an denen die geheimen Partys stattfanden. Da scheinen wir wirklich etwas verpasst zu haben. Die Realität des Ganzen, ist allerdings wesentlich erdrückender. Leider fanden dort NIE zahlreiche illegale Raves statt, viel mehr handelte es sich um sehr wenige Veranstaltungen als „geschlossene Gesellschaft“, zu denen nur ein kleiner Kreis aus eingeladenen Personen zutritt hatte.

Das Waldheim in Sindelfingen steht seit Jahren leer. Es ist marode und die letzten Gäste besuchten es wohl im Jahre 2010. 3 Jahre später übernahm ein neuer Pächter das Gebäude. Seit dem hat sich nicht wirklich viel getan. Die Sanierungkosten sind beträchtlich und es steht offen, wer für diese aufkommen soll. Über 5 Jahre hat sich absolut NIEMAND für dieses Gebäude interessiert. Nun haben im vergangen Jahr einige Jugendliche, auf der Suche nach einer geeigneten Location, das Waldheim für sich entdeckt und dort im legalen Rahmen, eine private Veranstaltung gefeiert. Und plötzlich steht das Waldheim wieder in den Schlagzeilen. Doch leider nicht positiv, sondern es wird im Artikel der Stuttgarter Zeitung nur negatives zum Vorschein gebracht. Dass es diesen Jugendlichen, nach 5 Jahren gelang, dem Waldheim wieder Leben einzuhauchen, wird in keinem Wort erwähnt. Auch nicht weshalb diese Jugendlichen sich dort hin verirrt haben. Zum Beispiel weil die Stadt Stuttgart nicht in der Lage ist, einen entsprechenden Platz für solche Veranstaltungen zu schaffen. Einen Platz, an dem unter freiem Himmel, friedlich gelacht und getanzt werden kann.

Die selbe Problematik gibt es aktuell übrigens bei Contain’t. Ende des Jahres wird das Gelände für eine weitere Baustelle geräumt. Obwohl der Platz erst ab 2019 gebraucht wird, möchte man bis Ende 2015 alles geräumt haben. Das Waldheim in Sindelfingen sollte ursprünglich eine Einrichtung für Kinder-, Jugend- und Seniorenarbeit werden. Ich wiederum frage mich, warum in Stuttgart der Horizont der Verantwortlichen soweit beschränkt ist, um nicht alles unter ein Dach zu bekommen. Die Bar 25 in Berlin beispielsweise, sorgte damals für ausgelassenes Feiern am Wochenende, während unter der Woche Kinder, Eltern und Senioren ein wunderschönes Programm geboten bekamen. Der neue Holzmarkt greift dieses Konzept vollständig auf und befriedigt sowohl Feier-Touristen, als auch Normal-Touristen jeden Alters. Ein innovatives und kreatives Konzept. Ähnliches verfolgen die Macher von Contain’t. Sie bieten kürzlich sogar Platz für Flüchtlinge und sorgen für deren Integration. All dies, was der Staat als solches irgendwie nicht auf die Reihe bekommt. Und dennoch tut sich die Stadt unheimlich schwer, solch freie Radikale zu dulden. Viel mehr wird aktiv dagegen gewettert, statt nach einer tollen Lösung zu suchen.

In einem Gespräch mit einem Veranstalter der oben erwähnten „wilden Partys“ in Sindelfingen, kamen wir innerhalb kürzester Zeit auf einen gemeinsamen Konsens. So könnte man beispielsweise die Veranstaltungen in Sindelfingen gezielt nutzen, um das Waldheim wieder auf Vordermann zu bringen. Man könnte das Geld nutzen, um die Veranstaltungsstätte auf kreative Art und Weise sowohl für Kinder, als auch Senioren zugänglich zu machen. Ein Naturparadies, selbstverwaltend. Doch soweit reicht der Horizont wohl scheinbar nicht. Viel zu engstirnig sitzen die Strukturen. Leider. Denn die Räumlichkeiten des Waldheims in Sindelfingen bieten so viel Inspiration. Für Kinder, Jugendliche, Eltern, Senioren und solche, die Kinder geblieben sind, im Einklang mit der Natur.

Zum Artikel der Stuttgarter Zeitung: www.stuttgarter-zeitung.de

Quelle Titelbild: www.oberhof.de

Previous post

Simmer Down Festival 2015

Next post

Baden-Württemberg lockert das Tanzverbot

Knatterflatter

Knatterflatter

Lang lebe die elektronische Musik!

5 Comments

  1. Chrissy
    16. September 2015 at 14:37 — Antworten

    Danke und großes Herz an den Autor!

  2. Topped
    16. September 2015 at 14:38 — Antworten

    Tolle Gegendarstellung. Gut auf den Punkt gebracht.

  3. kilopint
    16. September 2015 at 14:55 — Antworten

    Der Wald braucht sowas!Sperrt die Autobahn neben dran!Lärm und Verschmutzung stören den Wald,hingegen Liebe und Zusammenkunft verschiedenster Freigeister mit guter Musik,Austausch positiver Gedanken,nackte Menschen,Brüste,Pimmel und Vaginas,das mag der Wald!

    • 16. September 2015 at 14:58 — Antworten

      Nackte Menschen, Brüste, Pimmel und Vaginas müssen jetzt nicht unbedingt sein. Beim Rest gebe ich dir allerdings recht.

      • kilopint
        16. September 2015 at 19:40 — Antworten

        jaman wir verstehen uns 🙂

Leave a reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *